Impressionen aus Norwegen Teil II: Lemminge und der Mythos vom Massen-Suizid

Wer sich (wie ich bis vor ein paar Wochen) unter Lemmingen bislang nichts anderes vorstellen konnte als die kleinen Nicht-Lustig-Karrikaturen von Joscha Sauer mit den kreativen Selbsttötungs-Ideen, dem sei gesagt: Nö, die Tierchen sehen eigentlich ganz anders aus! Nämlich so (tolles Foto vom tollen @jaerven):

Der latente Suizid-Impuls, der den Lemmingen gerne zugeschrieben wird, existiert übrigens auch nur in den Köpfen der Macher einer Disney-Doku namens “White Wilderness” aus dem Jahr 1958, die für ein paar spektakuläre, aber völlig frei erfundene Szenen zum angeblichen Massen-Suizid der Lemminge nichts Falsches daran sahen, eine Handvoll Tiere einfach von einer Klippe zu schubsen… o_O

“Where is my mind?” – Piano-Cover

Jajaja, jeder kennt Fight Club, jeder kennt die Pixies, jeder kennt das epische “Where is my mind?” und mindestens eine der unzähligen mehr oder weniger guten Cover-Versionen, die seit Tyler Durdens Präzisionssprengungsgeschichte pausenlos produziert werden. Das Lied ist so ohrwurmig und wundervoll, dass (wie man munkelt) gleich ganze Blogs nach ihm benannt werden…. ;) Und die wirklich allerschönste Neuvertonung ist meiner Meinung nach die Klavier-Version von Maxence Cyrin, doch hört selbst:

Die Klaviernoten dazu findet ihr übrigens als pdf hier :)

Impressionen aus Norwegen Teil I: Riskrem-Rezept

Dass die Skandinavier eine Vorliebe für exorbitant großartige Süßspeisen haben, war mir ja schon klar. Aber in den Hochgenuss von Riskrem med rød saus (also Reiscreme mit roter Sauce), dem klassischen Weihnachts-Dessert in Norwegen, kam ich tatsächlich erst jetzt. Und so viel sei gesagt: Ausprobieren ist alternativlos – das Zeug ist wirklich extrem lecker!!!

Hier also das Rezept für Riskrem med rød saus für ungefähr 4 Personen mit nicht mehr ganz so viel Hunger:

Zutaten für die Riskrem:

  • ~200g Milchreis und entsprechend viel Milch zum kochen
  • 400ml Schlagsahne
  • 1-2 Päckchen Vanillinzucker
  • etwa 100g Zucker (je nach Geschmack mehr oder weniger)
  • nach Geschmack eine Handvoll gehackte Mandeln (kann man auch weglassen, schmeckt aber toll)
  • eine ganze Mandel

Zubereitung:

Den Milchreis am besten schon einen Tag vorher in viel (leicht gesalzener) Milch kochen, bis er schön weich ist. Dabei fleißig umrühren, der Milchreis brennt sonst gern mal an und suppt dann unabspülbar am Topfboden fest. Den fertigen Milchreis nach dem Kochen unbedingt mit Wasser abspülen und lange abtropfen lassen (sonst habt ihr, wenn der Reis kalt geworden ist, nur noch einen großen zusammengepappten Klumpen Milchreis) und dann über Nacht kaltstellen. Am nächsten Tag die Sahne steif schlagen und mit Vanillinzucker und Zucker abschmecken. Wenn die Sahne die richtige Konsistenz hat, wird der Milchreis eingerührt. Nach Belieben mit gehackten Mandeln verfeinern.

Zutaten für die rød saus:

  • 300-600g Erdbeeren oder Himbeeren (je nach Jahreszeit einfach auf Tiefkühl-Beeren zurückgreifen)
  • 100-200ml Wasser
  • ein Spritzer Zitronensaft
  • etwa 50g Zucker

Zubereitung:

Zu den (aufgetauten) Beeren nach Augenmaß Wasser hinzufügen und alles zu einer cremigen Masse pürieren. Mit Zitronensaft und Zucker abschmecken, fertig.

Traditionell rührt man eine ganze Mandel in der Riskrem unter und wer sie in seiner Portion findet, bekommt ein kleines Extrageschenk zu Weihnachten, meist ein Marzipanschwein :)

Kühlschrankanalysen

Du hast eifrig prokrastiniert, tagelang gedacht “och, ist ja noch genug Zeit” – und obwohl dir eigentlich schon klar war, dass es sehr viel Sinn machen könnte, diese Zeit zu nutzen, konnte der dank ausreichender Vorerfahrung schon gefühlte 50x gefasste Vorsatz, beim nächsten Mal endlich früher anzufangen zu lernen, auch dieses Mal nicht umgesetzt werden… Vielleicht brauchst du dieses gewisse, latent panische Grund-Arousal aber auch, um überhaupt aufnahmefähig genug zu sein für das, was nun vor dir liegt. So rückt der Prüfungstermin unaufhaltsam immer näher und langsam schleicht sich die Gewissheit ein: “Das hier wird nicht schnell vorbei sein, es wird dir nicht gefallen – this is multivariate Statistik!!!”

Und dann sitzt du für Wochen zwischen Büchern, Skripten und Notizzetteln, betrachtest abstrakte Formeln aus griechischem Buchstabensalat und malst auf dem Buchdeckel sehnsüchtig ein kleines A in SPSS – doch auch das hilft nicht wirklich… Lernen kann mitunter so unbeschreiblich trostlos sein, dass man irgendwann anfängt, sich über alle möglichen Details aus dem Stoffplan zu amüsieren, die eigentlich gar nicht amüsierenswert sind – allein um sich doch noch über wenigstens irgendetwas amüsieren zu können, z.B. über die “totalen Effekte” der Pfadanalyse (“Wollt ihrrr den totaaalen Effekt?” – ok, tschuldigung, ist nicht lustig…), oder über Post-hoc-Tests, bei denen man eher an Drogen, als an Statistik denken würde (z.B. der LSD, also der least significant difference-Test). Doch je mehr man lernt, desto seltener werden selbst diese kurzen Momente befreiender Heiterkeit und desto ernster wird der geistige Zustand: Erst verliert man den Kontakt zur Außenwelt (“ich kann nicht, ich muss lernen…”), dann versucht man im Geschäft mit seinem Studentenausweis zu bezahlen (“oh, in der Mensa klappt das…”) und zuletzt ist man nicht mal mehr der eigenen Sprache mächtig und fragt sich z.B. bei einem TV-Moderator, wie der denn jetzt eigentlich die Stärke oder die Richtung von welchem Zusammenhang vorhersagen soll…

Wochenlang schlurft man mehr wunderlich als wach zwischen Bett und Schreibtisch hin und her, zieht die Vorhänge zu, um nicht mitbekommen zu müssen, dass man hinter den verstaubten Fenstern  gerade das schönste Sommerwetter verpasst, ernährt sich nur noch von Kaffee, Pizza und noch mehr Kaffee und kommuniziert zunehmend in kryptischen Wortschöpfungen, die einem der Statistik-Bücherberg aufdiktiert und die alle irgendwas mit irgendwelchen Analysemethoden zu tun haben, z.B. Faktorenanalysen, Hauptkomponentenanalysen, Pfadanalysen, Zeitreihenanalysen, Clusteranalysen, Mehrebenenanalysen, Varianzanalysen, Metaanalysen, Diskriminanzanalysen etc. pp.,  während man schon gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht und man sich eigentlich nur noch auf die Analyse des Kühlschranks wirklich konzentrieren könnte – wenngleich sich eine solche aufgrund zu vieler und systematisch fehlender Werte leider erübrigt…

Unter Studenten hat sich für dieses leicht entrückte “Prä-Prüfungs-Verhalten” übrigens der liebevolle und durchaus praxisnahe Begriff Binge Learning eingebürgert – sprich viel zu schnell viel zu viel Lernstoff in sich reinzustopfen, den man dann in der Prüfung wieder (pardon) rauskotzen kann um eigentlich insgesamt keinen besonders langfristigen Lerneffekt zu erzielen.

Und wenn es dann, nach wochenlangem innerem Kampf zwischen Ehrgeiz und Echtkeinelustmehr, endlich soweit ist und du dich mit dem Walkürenritt im Ohr zur Klausur begibst, fragen die Mitstudenten (und hier erinnerst du dich wieder daran, dass du ja gar nicht Mathe studierst, sondern Psychologie) nicht etwa “und, gut vorbereitet?” oder irgendwas Vergleichbares – nein, sie fragen allen Ernstes “und, bist du motiviert?”… Und du antwortest nicht etwa “Motiviert? Geht’s noch?? Es ist Montag, noch nichtmal 9 Uhr und wir schreiben gleich Statistik…”, sondern puzzlest im Kopf auseinander, ob Motivation eigentlich eine systematische oder eine unsystematische Störvariable für die eigene Leistungsfähigkeit wäre und ob man das nun mit einem Strukturgleichungsmodell gut darstellen könnte oder vielleicht auch mit einer Zeitreihenanalyse. Und allerspätestens jetzt fällt dir auf, dass es doch eigentlich auch ganz cool gewesen wäre, einfach Eisverkäufer oder Globetrotter oder Rockstar oder Profi-Snowboarder geworden zu sein…